Die Dorfhymne der Obereuerheimer Bürgerinnen und Bürger
Seit den 1950er Jahren besitzt die fränkische Ortschaft Obereuerheim ein eigens geschaffenes Heimatlied. Es fand seinen Niederschlag in einem Liederheft zum Fasching im Jahr 1957. Verfasst und in Noten gesetzt hat es Alexander Fischer (1908–1986).
Durch den Besuch der Oberschule in Schweinfurt erwarb er sich Alexander Fischer unter der ländlichen Bevölkerung im zwölf Kilometer entfernten Obereuerheim, den Ruf des „Studenten“. Beruflich war er als Postbediensteter im Arbeitsamt Schweinfurt tätig. Alexander Fischer war aus heutiger Sicht ein Heimatpfleger. Mit großer Leidenschaft spielte er Klavier, malte Bilder, verfasste Gedichte und schuf eben jenes Öberöämer Lied. Zum Ausdruck kam hiermit seine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat.
Dem Öberöämer Lied liegt durchgängig der originale Dialekt der Obereuerheimer Bevölkerung zugrunde. Hinsichtlich der Melodie ließ sich Fischer offenbar von Strömungen der Volksmusik sowie von Fastnachtstraditionen inspirieren. Eine musikalische Anmutung zum fränkischen Schottisch s‘Kunnerla ist unverkennbar. Zeitzeugen berichten, dass das Öberöämer Lied seit Anfang der 1960er Jahre als eine Art Hymne Obereuerheims galt und regelmäßig bei geselligen Anlässen gesungen wurde.
Undatierte Notenhandschriften belegen zwei originale Fassungen des Öberöämer Liedes. Einerseits als Öberörmer, zum anderen liegt eine Version als Öberörmer Fosanachtsmarsch vom Jörgla vor. Dem Fosanachtsmarsch ist eine Einleitung und ein erster Teil vorangestellt, bevor die Melodie zum Öberöämer Lied notiert ist. Allerdings fehlt hier der Kehrvers.


Es ist davon auszugehen, dass der Öberömer Fosanachtsmarsch und der Öberömer getrennt voneinander musiziert wurden und an unterschiedlichen Programmpunkten während der Fastnacht eingesetzt wurden. Vom Öberörmer Fosanachtsmarsch liegt auch nur eine Melodiestimme mit Akkordbezeichnungen vor, diese könnte auch von einem Akkordeon gespielt worden sein. s‘ Jörgla war übrigens eine Figur im Obereuerheimer Fasching.

Die heute musizierten und gesungenen Versionen sind an den mündlichen Überlieferungen des Dirigenten Theo Zehe angelehnt. Zehe hat die Blaskapelle Obereuerheim während der 1970er Jahre übernommen und bis 1989 geleitet. Seine Version zeigt leichte Veränderungen von Melodieanteile, als auch harmonische Abweichungen vom Original. Möglicherweise hat sich diese Praktizierweise über die Jahre hinweg als gebräuchlich erwiesen und bei den Obereuerheimern als Standardversion entwickelt. Dirigent Werner Aumüller (1989-1997, ab 2023) hat in den 1990er Jahren eine Version, angelehnt an den Vorgaben des Originals für die heutige Musizierweise erstellt. Eine weitere Version besteht aus der Feder des Dirigenten Michael Seufert (1998-2017). Heute musizieren die Erleinsbacher Musikanten eine runderneuerte Version, im Vordergrund steht dabei der Originaltext, der von allen Musikerinnen und Musikern gesungen wird.
Gez. Werner Aumüller 2026

